Der Kern meiner Arbeit
Ich glaube nicht an schnelle Erfolge oder daran, dass sich alle Probleme allein durch die Kraft von Affirmationen und Manifestation lösen lassen. Esoterik beschäftigt sich für mich mit Wissen über die Welt, während die Energetik eine sehr spezielle Form der Arbeit mit den Energien ist, die in unserer Welt existieren. Doch beide sind fehlbar und haben ihre natürlichen Grenzen.
Ein kleines Beispiel aus meiner Arbeit mit der Wut: Du kannst direkt mit der energetischen Form der Wut arbeiten. Meine geführten Meditationen zur Wut zeigen dir, wie das möglich ist. Doch wenn jemand ständig deine Grenzen verletzt, dann ist deine Wut berechtigt. In diesem Fall geht es vielleicht weniger darum, an dir selbst zu arbeiten, sondern darum, den Mut zu finden, deine Grenzen zu verteidigen – durch eine klare und geerdete Kommunikation mit dem Menschen, der sie verletzt.
Doch die Wirklichkeit ist komplexer. Wir sind von Menschen umgeben, die anders denken als wir, ihre eigenen Ziele verfolgen und denen unsere Grenzen manchmal gleichgültig sind. Auch hier zeigt sich die Bedeutung der Wut: Sie kann dir helfen, deine Grenzen zu erkennen und sie zu verteidigen. Doch sie kann die Welt und andere Menschen nicht nach deinen Vorstellungen verändern.
Hier beginnt für mich der eigentliche spirituelle Weg – ein Weg, der in den letzten Jahren durch die Kommerzialisierung der Spiritualität zunehmend in den Hintergrund geraten ist. Der spirituelle Weg bestand für mich nie darin, alle Ziele zu erreichen oder gar den Tod zu überwinden. Es ging immer auch darum, sich dem eigenen Schatten zu stellen, ehrlich mit sich selbst zu sein und Mut zu entwickeln. Mut, wenn nötig für sich einzustehen – etwa in einem schwierigen Gespräch über Grenzverletzungen. Aber auch den Mut, anzuerkennen, dass es im Leben Situationen gibt, in denen wir machtlos sind. Dass wir andere Menschen und die Welt nicht einfach verändern können.
Meine gesamte Arbeit orientiert sich an dieser Idee: sich mit der eigenen Macht und ebenso mit der eigenen Machtlosigkeit auseinanderzusetzen. Sich ehrlich zu fragen: Was kann ich an mir und in meinem Leben verändern? Und wo beginnt der Bereich, den ich nicht kontrollieren kann?
Dazu gehört auch, Mitgefühl mit sich selbst zu entwickeln, wenn eine mögliche Veränderung trotz aller Bemühungen ausbleibt, und eine kluge Form der Akzeptanz zu üben.
Kluge Akzeptanz bedeutet nicht, alles hinzunehmen oder einem Menschen weiterhin zu erlauben, die eigenen Grenzen zu verletzen. Sie kann bedeuten, eine Beziehung zu verlassen, eine Arbeit zu kündigen oder einen Umzug in Kauf zu nehmen. Sie verweigert sich nicht der Wirklichkeit, sondern stellt eine nüchterne Frage: Mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen – was ist der beste Umgang mit dieser Situation?
Kluge Akzeptanz beginnt dort, wo die eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Vielleicht nachdem das Gespräch stattgefunden hat, nachdem man versucht hat, eine Grenze zu setzen und für sich einzustehen. Sie ist nicht schwach und verschließt nicht die Augen – ganz im Gegenteil. Sie sieht klar hin. Sie erkennt das menschliche Dasein als das, was es ist: ein feiner Balanceakt zwischen der Möglichkeit zur Veränderung und der Erfahrung von Machtlosigkeit.